Der eine bringt den halben Kleiderschrank mit. Fünf Blusen, drei Blazer, zwei Schals — und kann sich trotzdem nicht entscheiden. Der andere kommt mit einem einzigen Hemd. Keine Alternative, keine Auswahl, keine Rettung, wenn das Hemd auf dem Foto nicht funktioniert.
Beides ist falsch. Aber nicht wegen der Kleidung selbst.
Das Problem ist nicht, dass du die falsche Farbe trägst oder das falsche Muster. Das Problem ist, wenn du dich verkleidest. Wenn du etwas anziehst, das du im echten Leben nie tragen würdest — nur weil du denkst, es müsste so aussehen. Das sieht man auf jedem Foto. Sofort.
Die einzige Regel, die funktioniert
Zieh an, was du auch zum Kunden tragen würdest.
Nicht mehr. Nicht weniger. Dieser eine Satz beantwortet 90 Prozent aller Outfit-Fragen vor einem Fotoshooting. Denn dein Bewerbungsfoto, dein LinkedIn-Profil oder dein Business Portrait soll zeigen, wer du beruflich bist. Nicht, wer du gerne wärst.
Wenn du normalerweise Hemd ohne Krawatte trägst, dann trag Hemd ohne Krawatte. Wenn du als Kreativdirektorin im schwarzen Rollkragen arbeitest, dann zieh den schwarzen Rollkragen an. Wenn du als Handwerksmeister nie im Anzug stehst — warum dann auf dem Foto?
Dein Foto sollte den gleichen Eindruck machen wie dein erster Händedruck. Klar. Professionell. Echt.

Zwei Typen — welcher bist du?
Es gibt zwei Modetypen. Und für beide gelten unterschiedliche Regeln.
Typ 1: Die Modemutigen. Du hast einen Hang zur Mode, traust dich was und machst das bewusst zu deinem Markenzeichen. Vielleicht ist es die auffällige Brille, die Farbe Rot oder der Schnitt, der nicht 08/15 ist. Wenn das dein Ding ist, dann leb es auch auf dem Foto. Denn genau das macht dich wiedererkennbar.
Typ 2: Die Pragmatiker. Mode ist für dich Mittel zum Zweck. Du willst nicht auffallen, du willst nichts falsch machen. Hauptsache, es sieht ordentlich aus und passt. Für dich funktionieren neutrale Farben, klare Schnitte und zeitlose Basics. Dunkelblau, Grau, Weiß. Kein Risiko, kein Fehler.
Der Standardrat im Internet lautet: neutral, dezent, bloß nicht auffallen. Das ist der Rat für Typ 2. Für Typ 1 ist er komplett falsch. Wenn Mode dein Markenzeichen ist und du plötzlich im langweiligen Grau auftauchst, bist du nicht du. Und das sieht man.
Der größte Fehler: Verkleiden
Bei einem Shooting für ein Finanzunternehmen mussten auf einmal alle Mitarbeiter Krawatte tragen. Die wurde dann intern liebevoll „Strukturkrawatte“ genannt — für den Strukturvertrieb. Das Ergebnis: Menschen, die im Alltag nie Krawatte trugen, standen steif und unwohl vor der Kamera. Und weil viele auch kein Sakko besaßen, tauschten sie untereinander. Das Sakko vom Kollegen, zwei Nummern zu groß.
Das sah man auf den Fotos. Sofort.
Wenn du dich in einem Outfit unwohl fühlst, strahlst du das aus. Kein Fotograf der Welt kann das wegretouchieren. Das ist kein Kleidungsproblem. Das ist ein Authentizitätsproblem.
Was unter Kameralicht anders aussieht
Ein Kunde hatte ein Hemd dabei, bei dem ich ehrlich gesagt dachte: Das wird nichts. Farbe ungewöhnlich, Muster untypisch. Am Ende war es das beste Foto der Serie.
Manche Dinge muss man einfach fotografieren und sehen, wie sie im Gesamtpaket wirken. Unter Studioblitzen oder Tageslicht verhält sich Kleidung anders als im Spiegel zu Hause. Farben leuchten unterschiedlich. Kontraste verschieben sich. Was im Badezimmerlicht fad wirkt, kann vor der Kamera genau richtig sein.
Deswegen: Bring genug mit. Lieber ein Teil zu viel als eins zu wenig. Es kommt nicht auf die perfekte Nuance des Blautons an. Es geht darum, dass du verschiedene Looks zur Auswahl hast. Meine Empfehlung: 3–5 Oberteile, verschiedene Stile. Mindestens zwei davon komplett anders.
Und ja — Schuhe einpacken. Auch für ein reines Portrait. Klingt absurd, weil man Schuhe auf einem Brustbild nie sieht. Aber: In High Heels stehst du anders. Aufrechter, selbstbewusster, mit einer komplett anderen Körperhaltung. Das sieht man im Oberkörper, in den Schultern, in der Ausstrahlung. Die Hose ist egal. Die Schuhe nicht.
Kontext entscheidet: Bewerbung, LinkedIn oder Karriereseite
Die Frage „Was soll ich anziehen?“ hat drei leicht unterschiedliche Antworten.
Bewerbungsfoto: Hier zählt die Branche des Arbeitgebers. Bewirbst du dich bei einer Bank oder einem Beratungshaus, kleidest du dich konservativer — weil du dort im Alltag auch so rumlaufen würdest. Bewirbst du dich bei einem Startup oder einer Agentur, darfst du lockerer sein. Die Regel bleibt dieselbe: Trag, was du im Job tragen würdest. Nicht auf dem Foto. Im Job.
LinkedIn-Profilbild: Hier repräsentierst du dich selbst. Deine Marke, nicht die eines Arbeitgebers. Das gibt dir mehr Freiheit — und mehr Verantwortung. Dein LinkedIn-Profilbild arbeitet jeden Tag für dich. 24 Stunden, 7 Tage die Woche. Es entscheidet, ob jemand auf dein Profil klickt oder weiterschrollt.
Business Portrait & Karriereseite: Hier stehst du im Kontext deines Unternehmens. Konsistenz zählt. Wenn dein Team auf der Karriereseite erscheint, sollte ein visueller roter Faden erkennbar sein — ohne dass alle gleich aussehen. Was man dabei beachten sollte, habe ich im Artikel Mitarbeiterfotos: Was anziehen? zusammengefasst.
Was alle drei verbindet: Ein gutes Foto funktioniert überall. Wer sich ein professionelles Business Portrait machen lässt, kann das Ergebnis für Bewerbungen, LinkedIn und die eigene Website nutzen. Ein Shooting. Drei Einsatzorte.
Checkliste: Das packe ich ein
Diese Liste bespreche ich mit meinen Kunden im Vorgespräch. Du kannst sie dir als Grundlage nehmen:
Oberteile (3–5 Stück)
- 1 Business-Klassiker (Hemd, Bluse, Blazer)
- 1 Smart Casual (Rollkragen, feines Strickoberteil)
- 1 persönlicher Favorit (das Teil, in dem du dich am wohlsten fühlst)
- Optional: 1 mutige Variante (Farbe, Muster, Statement-Piece)
Schuhe
- Die Schuhe, die du im Meeting tragen würdest
- Bei Portraits: Schuhe mit Absatz für eine aufrechtere Haltung (auch wenn sie nicht im Bild sind)
Accessoires
- Brille: Saubere Gläser, entspiegelt wenn möglich
- Schmuck: Dezent und gewohnt — nichts Neues für das Foto anschaffen
- Uhr: Ja, wenn du sie immer trägst. Nein, wenn sie nur für das Foto rausgeholt wird
Pflege-Basics
- Haare am Tag vorher waschen (nicht direkt vor dem Shooting — zu fluffig)
- Gesichtspflege: Mattierendes Puder gegen Glänzen unter dem Licht
- Kleidung im Kleidersack transportieren — Knitterfalten sind auf Fotos gnadenlos sichtbar
Die goldene Regel: Lieber ein Teil zu viel. Im schlimmsten Fall brauchst du es nicht. Im besten Fall rettet es das Shooting.
Mode ist Zeitgeist — nicht in Stein gemeißelt
Vor fünf Jahren galt die Krawatte als spießig, altmodisch, aus der Zeit gefallen. Heute kommen Anzüge mit Krawatte zurück — als bewusster Style, nicht als Pflicht. Die Assoziationen, die du mit bestimmten Kleidungsstücken verbindest, stimmen vielleicht gar nicht mehr so, wie du denkst.
Modische Regeln veralten. Was nicht veraltet: Authentizität. Trag, was zu dir passt. Nicht, was ein Artikel im Internet empfiehlt. Auch nicht dieser hier.
Aber komm bitte nicht mit nur einem Hemd.
Häufige Fragen
Was soll ich als Mann für Bewerbungsfotos anziehen?
Hemd mit gutem Kragensitz, Sakko optional — je nach Branche. Achte auf Schulterpassform. Ein schlecht sitzendes Sakko wirkt schlimmer als kein Sakko. Bring mindestens zwei verschiedene Hemden mit, idealerweise eins mit Krawatte und eins ohne. Dann entscheidet ihr zusammen mit dem Fotografen, was besser wirkt.
Was soll ich als Frau für Bewerbungsfotos anziehen?
Blazer oder Bluse funktionieren in den meisten Branchen. Denk an die Schuhe — auch wenn sie nicht im Bild sind, verändern sie deine Haltung. High Heels für eine aufrechtere Körpersprache, flache Schuhe für einen entspannteren Look. Bring beides mit.
Wie viele Outfits soll ich zum Fotoshooting mitbringen?
Mindestens 3 verschiedene Oberteile. Ideal sind 3–5 Optionen, die sich in Stil oder Farbe deutlich unterscheiden. Nicht fünf blaue Hemden in leicht verschiedenen Tönen — sondern echte Alternativen.
Welche Farben eignen sich für Bewerbungsfotos?
Dunkelblau, Grau und Weiß sind sichere Klassiker. Aber „sicher“ heißt auch „austauschbar“. Wenn du ein Farbtyp bist, nutz das. Entscheidend ist nicht die einzelne Farbe, sondern ob das Gesamtbild zu dir passt. Was unter Kameralicht funktioniert, lässt sich vorher nicht immer vorhersagen — deswegen: Auswahl mitbringen.
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